Medizinische Fachbegriffe sind oft kompliziert. Wir möchten dir helfen, sie besser zu verstehen. Hier findest du die wichtigsten Wörter rund um das Thema Hämophilie einfach erklärt.
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A
B
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aPPC (aktiviertes Prothrombinkomplex-Konzentrat)
Unter Aktiviertes Prothrombinkomplex-Konzentrat (aPPC)versteht man ein Spezialmedikament zur Behandlung von Blutungen, vor allem bei Hämophilie mit Inhibitoren. Es enthält mehrere Gerinnungsfaktoren und kann die Blutgerinnung über Umwege - sogenannte Bypässe - unterstützen, wenn Faktorpräparate nicht ausreichend wirken. Die Anwendung erfolgt in der Regel intravenös und wird spezialärztlich überwacht, da selten auch Blutgerinnsel auftreten können.
Asymptomatisch
Asymptomatisch bedeutet, dass eine Krankheit oder ein medizinischer Zustand vorliegt, ohne dass spürbare Beschwerden auftreten. Betroffene fühlen sich gesund, obwohl eine Erkrankung vorhanden ist. Im Zusammenhang mit Hämophilie kann dies zum Beispiel auf Überträgerinnen oder auf milde Verlaufsformen zutreffen. Auch ohne Symptome kann eine medizinische Abklärung oder Beobachtung sinnvoll sein.
Antiphospholipid-Syndrom
Das Antiphospholipid-Syndrom (kurz APS)ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei bildet der Körper Antikörper, die die Blutgerinnung stören. Dies kann zu einem erhöhten Thromboserisiko oder zu Schwangerschaftskomplikationen führen.
Im Gegensatz zur Hämophilie, bei der die Blutgerinnung verlangsamt ist und es zu Blutungen kommt, führt APS zu einer erhöhten Gerinnungsneigung. Beide Erkrankungen betreffen die Blutgerinnung, jedoch auf entgegengesetzte Weise.
Antikörper
Antikörper sind spezielle Eiweiße des Immunsystems. Sie erkennen fremde Strukturen wie Bakterien, Viren oder Toxine und binden sich gezielt an diese. Dadurch werden Krankheitserreger markiert und vom Immunsystem unschädlich gemacht. In bestimmten Erkrankungen können Antikörper auch gegen körpereigene Strukturen oder Medikamente gerichtet sein.In der Hämophilie-Therapie können sie sich gegen verabreichte Gerinnungsfaktoren richten und deren Wirkung blockieren. Diese Inhibitorbildung stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar.
Anämie
Anämie bedeutet Blutarmut. Sie liegt vor, wenn zu wenige rote Blutkörperchen oder zu wenig Hämoglobin im Blut vorhanden sind. Hämoglobin ist wichtig für den Sauerstofftransport im Körper. Menschen mit Anämie fühlen sich häufig müde, schwach, sind blass oder schnell außer Atem. Auch Konzentrationsprobleme können auftreten.
Bei Menschen mit Hämophilie kann eine Anämie zum Beispiel durch wiederholte oder stärkere Blutungen entstehen. Weitere mögliche Ursachen sind Eisenmangel oder chronische Erkrankungen.
Amniozenthese
Die Amniozenthese ist eine pränatale (vorgeburtliche) Untersuchung des Fruchtwassers. Dabei wird unter Ultraschallkontrolle eine kleine Menge an Fruchtwasser aus der Gebärmutter entnommen. Dieses enthält kindliche Zellen, die auf genetische Veränderungen oder Chromosomenstörungen untersucht werden können. Die Untersuchung wird meist zwischen der 15. und 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt und birgt ein geringes, aber vorhandenes Risiko. Im Rahmen einer Amniozenthese kann auch festgestellt oder ausgeschlossen werden ob eine Erkrankung mit Hämophilie besteht.
Das Labor ermittelt ob das ungeborene Kind betroffen, Überträger (Konduktor) oder nicht betroffen ist.
Akut-Phase-Protein
Akut-Phase-Proteine (kurz APP)sind Eiweiße im Blut, deren Konzentration sich bei Entzündungen, Infektionen, Verletzungen oder Gewebeschäden verändert. Manche dieser Eiweiße steigen dann stark an, andere werden weniger. Sie werden überwiegend in der Leber gebildet. Ärztinnen und Ärzte nutzen diese Werte, um Entzündungen zu erkennen, deren Verlauf zu beurteilen oder den Erfolg einer Behandlung zu kontrollieren.
Adhärenz
Der Begriff „Adhärenz“ bezeichnet die Bereitwilligkeit, sich an die gemeinsam mit dem Behandlungsteam abgestimmten Therapien und sonstigen Massnahmen zu halten. Der deutsche Begriff dafür ist „Therapietreue“. Damit ist jedoch nicht nur die medikamentöse Therapie gemeint, sondern alle Vereinbarungen, die gemeinsam von der betroffenen Person und dem Behandlungsteam getroffen werden. Dazu gehören beispielsweise Physiotherapie oder eine Ernährungsumstellung.
aPTT-Wert
aPTT steht für aktivierte partielle Thromboplastinzeit. Mit ihr kann die Zeit bis zur Blutgerinnung gemessen werden – daher wird aPTT in der Diagnostik von Gerinnungsstörungen eingesetzt. Der Normalwert liegt je nach Laborstandard bei 26–40 Sekunden.
aPTT-Wert bei Hämophilie A
Die aPTT ist unter anderem abhängig von Faktor VIII und Faktor IX. Deswegen tritt bei einer Hämophilie A und Hämophilie B eine verlängerte aPTT auf: Die Blutgerinnung ist gestört und dadurch verlangsamt. Zusätzlich wird die aPTT für die Verlaufskontrolle einer Hämophilie-Therapie herangezogen. Doch auch bestimmte Medikamente wie Acetylsalicylsäure können die aPTT beeinflussen.
Quelle: Medizininfo.de
Arthropathie
Arthropathie ist die medizinische Bezeichnung für Gelenkerkrankungen. Das Wort kommt aus dem Griechischen: arthron = Gelenk und pathos = Leiden. Es gibt entzündliche und nicht entzündliche Arthropathien.
Arthropathie bei Hämophilie A
Bei der Hämophilie A können Gelenkblutungen auftreten. Wird das Blut im Gelenk wieder abgebaut, entstehen Abbauprodukte, wie z.B. Eisen,[1] [2] die zu einer Entzündung führen können und die Gelenkstrukturen angreifen. Dadurch entstehen Schäden am Gelenk, die zu Schmerzen und Beeinträchtigungen führen können. Dann sprechen Expertinnen und Experten von einer hämophilen Arthropathie.
Bispezifischer Antikörper
Ein bispezifischer Antikörper bezeichnet einen gentechnisch (mithilfe moderner Biotechnologie im Labor produziert) hergestellten Antikörper, der gleichzeitig zwei Gerinnungsfaktoren bindet und so die Funktion des fehlenden Faktors VIII ersetzt. Er wird zur Vorbeugung von Blutungen bei Hämophilie A eingesetzt undwirkt auch bei vorhandenen Inhibitoren.
Bedarfsbehandlung
Als Bedarfsbehandlung – auch Akuttherapie oder On-Demand-Therapie genannt – bezeichnet man die Behandlung von bereits aufgetretenen Blutungen. Das Gegenteil der Bedarfsbehandlung ist die vorbeugende Behandlung - die Prophylaxe.
Blut
Blutzellen entwickeln sich im Knochenmark. Die dort angesiedelten Blutstammzellen produzieren rote und weisse Blutkörperchen (Lymphozyten, Granulozyten, Makrophagen) sowie Blutplättchen. Die ausgewachsenen Zellen gelangen ins Blut und übernehmen ihre spezifischen Aufgaben im Organismus.
Quelle: https://www.blutspende.ch/de/wissen-ueber-blut/was-ist-blut
Bluter
Hämophilie bedeutet wörtlich übersetzt „Blutungsneigung“. Da – abhängig von der Art der Hämophilie – bestimmte Gerinnungsfaktoren im Blut fehlen, gerinnt bei Hämophilen das Blut langsamer als bei gesunden Menschen. Die Wunden schließen sich langsamer und Betroffene bluten länger.
Bluterkrankheit
Viele Menschen kennen die Hämophilie jedoch eher unter dem Begriff „Bluterkrankheit". Menschen mit Hämophilie werden daher oft als „Bluter“ bezeichnet.
Blutgerinnung
Wenn sich ein Mensch mit Hämophilie verletzt, sorgt die Blutgerinnung dafür, dass die Blutung gestillt und die Wunde geschlossen wird. Sie ist ein komplexer Vorgang, der aus mehreren Phasen und Komponenten besteht.
Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren
Im ersten Schritt lagern sich die Blutplättchen (Thrombozyten) an der Wunde zusammen. Sie „verstopfen“ die Wunde, sodass kein Blut mehr austreten kann. Dann kommen bestimmte Eiweisse hinzu, die sogenannten Gerinnungsfaktoren. Sie kommen in einer festgelegten Reihenfolge nacheinander zum Einsatz (Gerinnungskaskade) und ermöglichen die Schliessung und Heilung der Wunde.
Mehr zu dem Thema: Was ist Hämophilie?
Blutgerinnungsstörung
Bei einer Blutgerinnungsstörung ist – wie der Begriff vermuten lässt – die Blutgerinnung gestört. Bei einer Verletzung und der damit einhergehenden Blutung läuft die Gerinnung gar nicht oder verzögert ab.
Zwei Arten von Gerinnungsstörungen
Ist die Blutgerinnung gestört, kann das zwei verschiedene Ursachen haben. Zum einen kann die Blutgerinnung nach einer Blutung nicht oder nur langsam ablaufen. Zum anderen kann eine zu starke Blutgerinnung auftreten. Ist das der Fall, treten Blutgerinnsel (Thrombosen) auf.
Wir beschäftigen uns hier näher mit der Gerinnungsstörung, die eine Blutgerinnung verhindert oder zumindest verlangsamt.
Ursachen für eine Blutgerinnungsstörung
In den meisten Fällen ist die Gerinnung gestört, weil einer der notwendigen Gerinnungsfaktoren fehlt oder nicht ausreichend vorhanden ist. Es gibt die Gerinnungsfaktoren I bis XIII (Faktor VI gibt es nicht), die in einer bestimmten Reihenfolge an der Blutgerinnung (Gerinnungskaskade) beteiligt und unerlässlich für eine intakte Gerinnung sind. Fehlt einer dieser Gerinnungsfaktoren, ist die Gerinnung gestört.
Gerinnungsstörung Hämophilie
Eine Art der Gerinnungsstörung ist die Hämophilie, auch Bluterkrankheit genannt. Hämophilie bedeutet übersetzt so viel wie „Blutungsneigung“. Bei dieser Erkrankung gibt es verschiedene Formen, die durch den fehlenden Gerinnungsfaktor klassifiziert werden: Hämophilie A und Hämophilie B. Bei der Erkrankung Hämophilie A ist die Ursache der fehlende oder nicht ausreichend vorhandene Faktor VIII und bei der Hämophilie B der Faktor IX. Die fehlenden Faktoren führen dazu, dass die Blutgerinnung in der sekundären Hämostase nicht richtig ablaufen kann.
In den meisten Fällen werden Blutgerinnungsstörungen vererbt (angeborene Blutgerinnungsstörungen). Hierbei ist die Ursache ein Defekt im entsprechenden Gen im Erbgut. Es gibt jedoch auch erworbene Gerinnungsstörungen.
Blutgerinnungsstörung Von-Willebrand-Syndrom
Eine weitere Blutgerinnungsstörung ist das Von-Willebrand-Syndrom. Betroffenen fehlt der Von-Willebrand-Faktor oder er funktioniert nicht richtig. Der Von-Willebrand-Faktor ist kein Gerinnungsfaktor wie Faktor VIII oder IX, da er nicht wie sie ein Teil der klassischen Gerinnungskaskade ist. Er spielt früher in der Gerinnung eine wichtige Rolle. Während der primären Hämostase sorgt er zusammen mit den Blutplättchen und Fibrinogen für den ersten Wundverschluss. In der sekundären Hämostase schützt er FVIII vor vorzeitigem Abbau durch Enzyme.
Relevante Artikel
Blutplättchen-Mangel
Das Fachwort für Blutplättchen-Mangel ist Thrombozytopenie oder auch Thrombopenie. Blutplättchen werden auch Thrombozyten genannt.
Blutungsrate
Die jährliche Blutungsrate gibt die Häufigkeit der Blutungen an, wie beispielsweise Gelenk- und Muskelblutungen. Im Idealfall ist die Blutungsrate gleich Null.
Blutungsrate und Hämophilie-Therapie
Die Blutungsrate ist ein guter Hinweis darauf, ob die Therapie die richtige für die betroffene Person ist. Je besser die Therapie auf die individuelle Situation zugeschnitten ist, desto wirksamer ist sie und desto weniger Blutungen sollten auftreten.
Bypass / Bypass-Therapie
Ein Bypass bezeichnet in der Hämophilie-Behandlung ein Therapieprinzip, bei dem die normale Blutgerinnung über einen Umweg („Bypass“) aktiviert wird.
Diese Therapie wird eingesetzt, wenn Inhibitoren vorhanden sind und herkömmliche Faktorpräparate nicht mehr wirken.
Dabei werden spezielle Medikamente (z. B. Faktor VIIa oder aPPC) verwendet, die die blockierte Stelle in der Blutgerinnung umgehen und dennoch die Bildung eines Blutgerinnsels ermöglichen. Ziel ist es, Blutungen trotz Inhibitoren wirksam zu stoppen oder ihnen vorzubeugen.
Bei der Bypass-Therapie werden sogenannte Bypass-Medikamente verabreicht. Diese umgehen die klassische Gerinnungskaskade mit der Aktivierung von Faktor VIII und führen zur Bildung von grossen Thrombin-Mengen auf den Thrombozyten. Da sie keinen bzw. nur geringfügige Mengen an Faktor VIII enthalten, können sie bei einer Hemmkörper-Hämophilie eingesetzt werden.[1]
Anwendung von Bypass-Medikamenten
Bypass-Medikamente können sowohl als prophylaktische als auch als Bedarfsbehandlung angewendet werden. Die Verabreichung erfolgt oft mehrfach am Tag über eine Vene (intravenös).
Quelle: active-a
Chorionzottenbiopsie
Die Chorionzottenbiopsie ist eine vorgeburtliche (pränatale) Untersuchung, bei der eine kleine Gewebeprobe aus der Plazenta entnommen wird. Da dieses Gewebe das gleiche Erbgut wie das ungeborene Kind enthält, können genetische Veränderungen oder Erbkrankheiten wie auch Hämophilie früh in der Schwangerschaft (etwa ab der 11 Woche) untersucht und festgestellt werden.
Compliance
Der Begriff „Compliance“ besagt, dass eine Patientin oder ein Patient die vom Behandlungsteam festgelegte Therapie befolgt. Dabei wurde die Therapieentscheidung allein von der Ärztin oder dem Arzt getroffen und die betroffene Person war nicht an der Entscheidung beteiligt.
Unterschied zu Adhärenz
Im Gegensatz zur Adhärenz hat die betroffene Person bei der Compliance eine eher passive Rolle. Sie befolgt nur die Vorgaben vom Behandlungsteam und übernimmt selbst keine Verantwortung für die Therapieentscheidung.
Quelle: www.bag.admin.ch
D
E
F
Diagnose
Eine Diagnose bezeichnet die ärztliche Feststellung einer Krankheit. Sie basiert auf verschiedenen Informationen wie auf Gesprächen, körperlichen Untersuchungen, Laborwerten oder bildgebenden Verfahren. Ziel der Diagnose ist es, die Ursache der Beschwerde zu erkennen und eine passende Behandlung zu planen.
Faktor VII-Mangel
Beim Faktor-VII-Mangel (Hypoprokonvertinämie) fehlt den Betroffenen der Gerinnungsfaktor VII ganz oder teilweise. Ähnlich wie bei Hämophilie A gibt es auch beim Faktor-VII-Mangel verschiedene Schweregrade, je nachdem wie hoch die Restaktivität des vorhandenen FVII ist. Es gibt jedoch keine sichere Korrelation zwischen der Faktor-VII-Restaktivität und der Schwere der Blutungen. Die Behandlung kann wie bei Hämophilie bei Bedarf oder prophylaktisch erfolgen.
Ursache des Faktor VII-Mangels
Wie bei der Hämophilie ist auch beim FVII-Mangel ein genetischer Defekt die Ursache für die Erkrankung. Anders als bei der Hämophilie ist jedoch, dass das Gen nicht auf den Geschlechtschromosomen liegt und somit Männer und Frauen gleichermassen betroffen sind. Zudem müssen beide Elternteile ein defektes Gen an das Kind vererben, damit es zu einer Erkrankung kommt – weswegen ein FVII-Mangel sehr selten ist und oft nur durch Zufall diagnostiziert wird.
Mehr zum Thema: Wie wird Hämophilie behandelt?
Faktor VIII-Ersatztherapie
Hämophilie A kann mit der Faktor VIII-Ersatztherapie behandelt werden. Sie wird auch Substitutionstherapie genannt und hat ihren Namen daher, dass der fehlende Faktor VIII durch einen (heutzutage) künstlich hergestellten Faktor VIII ersetzt (substituiert) wird. Dieser übernimmt dann die Funktion des fehlenden körpereigenen Faktor VIII.
Anwendung von Faktor VIII-Präparaten
Faktor VIII-Präparate können als prophylaktische oder als Bedarfstherapie eingesetzt werden. Die Häufigkeit der Verabreichung ist von Präparat zu Präparat unterschiedlich. Sie werden als Injektion in eine Vene (intravenös) verabreicht.
Mehr zum Thema: Wie wird Hämophilie behandelt?
Faktor VIII
Faktor VIII ist ein Blutgerinnungsfaktor, der eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Er unterstützt bestimmte Enzymreaktionen, die notwendig sind, damit sich nach einer Verletzung ein stabiles Blutgerinnsel bilden kann und eine Blutung gestoppt wird.
Fehlt Faktor VIII oder funktioniert er nicht richtig, kommt es zur Hämophilie A und Blutungen können länger anhalten oder häufiger auftreten.
Faktor IX
Faktor IX ist ein Blutgerinnungsfaktor, der eine wichtige Rolle in der Blutgerinnung spielt. Er liegt im Blut zunächst in einer inaktiven Form vor und wird im Verlauf der Gerinnung zu Faktor IXa aktiviert. In aktivierter Form wirkt Faktor IX gemeinsam mit anderen Gerinnungsfaktoren daran mit, die Blutgerinnung zu verstärken und Blutungen zu stoppen. Ein Mangel an Faktor IX führt zur Hämophilie B.
Faktor IXa
Faktor IXa ist ein Blutgerinnungsfaktor und die aktivierte Form von Faktor IX. Er ist Teil der Blutgerinnungskaskade und arbeitet gemeinsam mit anderen Faktoren daran, die Gerinnung zu verstärken und Blutungen zu stoppen. Störungen in diesem Bereich spielen vor allem bei der Hämophilie eine wichtige Rolle.
Faktor VII
Faktor VII ist ein Blutgerinnungsfaktor, der eine wichtige Rolle beim Start der Blutgerinnung spielt. Er liegt im Blut zunächst in einer inaktiven Form vor und wird bei einer Gefäßverletzung zu Faktor VIIa aktiviert. In aktivierter Form hilft er dabei, weitere Gerinnungsfaktoren zu aktivieren und so die Blutgerinnung in Gang zu setzen.
Faktor VIIa
Faktor VIIa ist ein Blutgerinnungsfaktor und die aktivierte Form von Faktor VII. Er spielt eine wichtige Rolle beim Start der Blutgerinnung, indem er nach einer Gefäßverletzung andere Gerinnungsfaktoren aktiviert. In der Medizin wird Faktor VIIa auch als Medikament eingesetzt, insbesondere zur Behandlung schwerer Blutungen oder bei Hämophilie mit Inhibitoren.
Faktor X
Faktor X ist ein Blutgerinnungsfaktor, der eine Schlüsselrolle in der Blutgerinnung trägt. Er steht an einer wichtigen Schaltstelle der sogenannten Gerinnungskaskade und wird im Verlauf der Blutgerinnung zur aktivierten Form Faktor Xa umgewandelt. Faktor Xa ist notwendig für die Bildung von Thrombin, das wiederum zur Entstehung eines stabilen Blutgerinnsels beiträgt.
Faktor Xa
Faktor Xa ist ein Blutgerinnungsfaktor und die aktivierte Form von Faktor X. Er entsteht, wenn Faktor X im Verlauf der Blutgerinnung aktiv wird. Faktor Xa spielteine zentrale Rolle, da er gemeinsam mit weiteren Bestandteilen den sogenannten Prothrombinase-Komplex bildet.
Dieser Komplex wandelt Prothrombin in Thrombin um. Ohne Faktor Xa kann die Blutgerinnung nicht wirksam abgeschlossen werden.
Fibrin
Fibrin ist ein wasserunlösliches Eiweiß, das bei der Blutgerinnung eine zentrale Rolle spielt. Es entsteht am Ende der Gerinnungskaskade aus Fibrinogen.
Fibrin bildet feine, fadenartige Strukturen, die sich zu einem stabilen Netz verbinden. Dieses Netz fängt Blutplättchen und Blutzellen ein und sorgt dafür, dass ein festes Blutgerinnsel entsteht, das eine Blutung abdichtet und stoppt. Bei Hämophilie ist die Blutgerinnung gestört, sodass zu wenig oder verzögert Fibrin gebildet wird. Dadurch sind Blutgerinnsel instabil, und Blutungen können länger andauern. Ziel der Behandlung ist es, die Fibrinbildung ausreichend zu ermöglichen.
Faktoraktivität
Die Faktoraktivität beschreibt, wie gut ein bestimmter Blutgerinnungsfaktor im Blut funktioniert. Sie wird in der Regel in Prozent angegeben und zeigt, wie viel funktionsfähiger Gerinnungsfaktor im Vergleich zu einem gesunden Normalwertvorhanden ist.
Eine normale Faktoraktivität liegt im Durchschnitt bei 50–150 %.
Bei Hämophilie ist die Faktoraktivität von Faktor VIII (Hämophilie A)oder Faktor IX (Hämophilie B)vermindert.
Die Höhe der Faktoraktivität bestimmt den Schweregrad der Erkrankung:
schwer: <1 %
mittel: 1–5 %
mild: >5 %
Dieser Wert ist entscheidend für die Diagnose, die Therapieplanung und die Einschätzung des Blutungsrisikos.
Faktorpräparate
Faktorpräparate sind Medikamente, die fehlende oder nicht ausreichend funktionierende Blutgerinnungsfaktoren ersetzen. Sie werden vor allem bei Menschen mit Hämophilie eingesetzt, um Blutungen zu behandeln oder ihnen vorzubeugen.
F8-Mutation
Eine F8-Mutation bezeichnet eine genetische Veränderung im Faktor-VIII-Gen (F8-Gen). Dieses Gen enthält den Bauplan für den Blutgerinnungsfaktor Faktor VIII. Durch die Mutation kann Faktor VIII fehlen oder nicht richtig funktionieren, was zu Hämophilie A führt.
G
H
I
Gelenkblutung
Eine Gelenkblutung entsteht, wenn die Gelenkinnenhaut überstrapaziert wird. Dann sammelt sich Blut im Gelenk – es wird dick, warm und schmerzt. Gelenkblutungen sind ein häufiges Symptom bei Menschen mit schwerer Hämophilie, können aber auch bei nicht-schwerer Krankheitsausprägung auftreten.
Folgen einer Gelenkblutung
Es ist wichtig, Gelenkblutungen zeitnah zu behandeln. Denn bleibt das Blut zu lange im Gelenk, greift es den Knorpel und den Knochen an und verursacht eventuell dauerhafte Schäden. Neben Schmerzen, Instabilität und Bewegungseinschränkungen kann es auch zu einer hämophilen Arthropathie und einem erhöhten Risiko für weitere Blutungen kommen.
Gentherapie
Bei einer Gentherapie wird das menschliche Erbgut gezielt verändert – mit dem Ziel eine genetisch verursachte Erkrankung zu behandeln oder sogar zu heilen. Expertinnen und Experten unterscheiden zwischen einer somatischen Gentherapie und einer Keimbahntherapie.
Mehr zur somatischen Gentherapie hier.
Gentherapie bei Hämophilie A
Auch für die Hämophilie A wird seit einiger Zeit an einer Gentherapie geforscht. Bei einem Ansatz wird den Betroffenen die Bauanleitung für den Faktor VIII verabreicht, der dann von Leberzellen produziert wird und sich über das Blut im ganzen Körper verteilt. Stand jetzt kann aber auch eine Gentherapie die Hämophilie nicht heilen.
Quelle: active-a
Gerinnungsfaktoren
Gerinnungsfaktoren sind Eiweisse, die in der Leber gebildet werden. Sie kommen im Blut vor und sind wichtig für die Blutgerinnung und damit für den Wundverschluss in der Gerinnung - so funktioniert sie.
Gerinnungskaskade
Die Faktoren für die Blutgerinnung werden mit römischen Zahlen bezeichnet und es gibt die Gerinnungsfaktoren I bis XIII (Faktor VI gibt es nicht). Normalerweise liegen die Gerinnungsfaktoren in inaktiver Form im Blut vor. Kommt es jedoch zu einer Verletzung und Blut tritt aus, wird die Gerinnungskaskade in Gang gesetzt. Dabei aktivieren sich die Gerinnungsfaktoren gegenseitig in einer festgelegten Reihenfolge. In der Bezeichnung wird die Aktivierung durch ein „a“ verdeutlicht: Faktor VIII wird zu Faktor VIIIa oder IX wird zu IXa.
Folgende Gerinnungsfaktoren gibt es:
Faktor I (Fibrinogen)
Faktor II (Prothrombin)
Faktor III (Gewebefaktor)
Faktor IV (KalZium-Ionen)
Faktor V (Proakzelerin)
Faktor VII (Prokonvertin, Prothrombinogen)
Faktor VIII (Antihämophiliefaktor A)
Faktor IX (Antihämophiliefaktor B, Christmas-Faktor)
Faktor X (Stuart-Prower-Faktor)
Faktor XI (Rosenthal-Faktor)
Faktor XII (Hageman-Faktor)
Faktor XIII (Fibrin-stabilisierender Faktor)
Die Zahlen geben jedoch nicht die Position des Faktors in der Gerinnungskaskade an. So stehen Faktor I (Fibrinogen) und Faktor II (Prothrombin) ganz am Ende der Blutgerinnung. Durch den aktivierten Faktor IIa (Thrombin) kommt es zur Aktivierung des Faktor I zu Faktor Ia (Fibrin). Zusammen mit den Blutplättchen (Thrombozyten) bildet Fibrin dann den stabilen Wundverschluss, in den sich u. a. auch rote Blutkörperchen einlagern (roter Thrombus).
Wichtige Gerinnungsfaktoren bei Hämophilie
Fehlende Gerinnungsfaktoren sind die Ursache von Hämophilie. Bei der Hämophilie A ist der Faktor VIII nicht (ausreichend) im Blut vorhanden. Durch den Mangel an Gerinnungsfaktor VIII stoppt die Blutgerinnung und kann nicht komplett ablaufen. Die Ursache für die Hämophilie B ist der (teilweise) fehlende Faktor IX (auch Christmas-Faktor genannt). Auch hier wird die Gerinnung unterbrochen und es kommt zu keinem stabilen Wundverschluss.
Der beim Von-Willebrand-Syndrom fehlende Von-Willebrand-Faktor zählt streng genommen nicht zu den Gerinnungsfaktoren, da er nicht Teil der Gerinnungskaskade ist.
Quellen: https://shg.ch/de/blutgerinnungsstoerungen/von-willebrand-syndrom
Gestörte Gerinnungskaskade bei Hämophilie
Bei hämophilen Personen ist diese Gerinnungskaskade gestört. Die primäre Hämostase läuft noch normal ab, aber die sekundäre Hämostase ist defekt. Abhängig von der Art der Hämophilie fehlt (oder ist zu wenig vorhanden) Faktor VIII (Hämophilie A) oder Faktor IX (auch Christmas-Faktor genannt, Hämophilie B). An dieser Stelle wird die Gerinnungskaskade unterbrochen und der nachfolgende Faktor nicht mehr aktiviert. Die Gerinnung kann nicht bis zum Ende durchlaufen und so die Wunde nicht schnell und stabil verschlossen werden.
Beim Von-Willebrand-Syndrom fehlt der Von-Willebrand-Faktor oder ist nicht voll funktionstüchtig. Diese zählt jedoch genau genommen nicht zu den Gerinnungsfaktoren, sondern ist bei der primären Hämostase von Bedeutung.
GGT-Wert
GGT ist die Abkürzung für Gamma-Glutamyl-Transferase, auch Gamma-GT, γ-GT oder g-Gt genannt. GGT ist ein Enzym, das hauptsächlich in der Leber vorkommt. Zwar ist es auch in den Schleimhautzellen des Dünndarms, der Niere und der Bauchspeicheldrüse vorhanden, aber bei Untersuchungen des Blutes kann nur das Gamma-GT der Leber gemessen werden. Das Enzym GGT kann Schäden der Leber anzeigen und dient der Diagnose von Lebererkrankungen sowie der Verlaufskontrolle.
Bedeutung von GGT
Wie auch die anderen Leberwerte, kann der GGT-Wert vermindert oder erhöht sein. Dies kontrollieren Ärztinnen und Ärzte, indem sie den Patienten Blut abnehmen und das GGT sowie andere Werte analysieren. Ein niedriger Wert der Gamma-GT hat in der Regel keine Auswirkungen.
Ein hoher GGT-Wert ist ein Anzeichen für eine Lebererkrankung. Die Ursachen für eine Gamma-GT-Erhöhung können verschieden sein. Mögliche Ursachen sind Leberkrebs, eine Entzündung der Leber (Hepatitis), durch Alkohol verursachte Leberschäden (Leberzirrhose oder Fettleber), durch Gifte verursachte Leberschäden, Pfeiffersches Drüsenfieber sowie eine Entzündung der Gallenblase oder Gallenwege.
Der Gamma-GT-Wert ist abhängig vom Geschlecht und vom Alter. Je weiter der Wert von den normalen Werten abweicht, desto gravierender ist der Leberschaden. Eine leichte Erhöhung des Enzyms kann beispielsweise eine leichte Hepatitis, einen chronischen Konsum von Alkohol, eine Fettleber oder das Pfeiffersche Drüsenfieber als Ursache haben. Die Gamma-GT ist mässig erhöht, wenn der Konsum von Alkohol zu einer Leberzirrhose geführt hat, eine aktive Hepatitis, eine Krebserkrankung oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung vorliegt. Ursache für eine starke Erhöhung der GGT sind ein Gallestau, eine schwere Entzündung der Gallenblase oder ein bestimmter Verlauf der Hepatitis.
Weitere wichtige Leberwerte
Andere Leberwerte, die zur Analyse herangezogen werden, sind der GOT-Wert und der GPT-Wert. GOT steht für Glutamat-Oxalacetat-Transaminase. Eine alternative Bezeichnung ist Aspartat-Aminotransferase (AST). GPT ist die Abkürzung für Glutamat-Pyruvat-Transaminase. Sie wird auch Alanin-Aminotransferase (ALT, ALAT) genannt. Die Werte für GOT und GPT sind in der Regel nur bei schweren Leberschäden erhöht. Gamma-GT steigt jedoch schon bei leichten Leberschäden an, zum Beispiel durch dauerhaften Konsum von Alkohol. Sind alle drei Enzyme erhöht, liegt wahrscheinlich eine Leberkrankung vor.
GGT bei Hämophilie
Bei Hämophilen, die in den 70er- und 80er-Jahren mit Faktor-Präparaten aus menschlichem Blut- bzw. Plasmaspenden behandelt wurden, besteht die Möglichkeit, dass sie sich damals mit Hepatitis C oder HIV angesteckt haben. Bei diesen Personen sollte eine regelmässige Kontrolle des GGT-Wertes erfolgen, um festzustellen, ob dieser erhöht ist. Ist der Wert der Gamma-GT dauerhaft zu hoch, kann eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.
Quellen: active-a
GPT-Wert
GPT steht für Glutamat-Pyruvat-Transaminase. Eine andere Bezeichnung dafür ist Alanin-Aminotransferase (ALT, ALAT). Das ist ein Enzym, was in der Leber gebildet wird. Sein Wert wird oft bei Untersuchungen kontrolliert.
Bedeutung von GPT
Der GPT-Wert ist der wichtigste Leberwert und gibt Aufschluss über die Leberfunktion bzw. über eine Erkrankung der Leber. Er wird bestimmt, wenn der Verdacht auf eine Leber- oder Gallenwegserkrankung vorliegt. Dafür wird etwas Blut abgenommen und im Labor analysiert, um der Ursache auf den Grund zu gehen.
Ist er dauerhaft erhöht, liegt vermutlich eine Lebererkrankung oder ein schwerer Leberschaden vor. Da das Enzym GPT in hoher Konzentration in den Zellen der Leber vorkommt, wird es auch in großen Mengen freigesetzt, wenn es zur Zerstörung von Leberzellen kommt. Dieser erhöhte GPT-Wert ist dann im Blut nachweisbar.
Es gibt verschiedene Ursachen für eine Leberschädigung. Mögliche Ursachen sind eine Entzündung (zum Beispiel Hepatitis B), Schädigung der Leber durch Gifte oder bestimmte Medikamente, Leberzirrhose, Fettleber, Leberkrebs oder eine Entzündung der Gallengänge. Ein anderer Grund kann der Zerfall von roten Blutkörperchen (Hämolyse) sein, da auch sie GPT enthalten. Aber auch starke körperliche Anstrengung kann zu einem erhöhten GPT führen.
Eine leichte Erhöhung des Wertes ist nicht schlimm. Sollte der GPT-Wert jedoch dauerhaft hoch sein, sollten weitere Untersuchungen folgen, damit die Ursache für die hohen Werte bestimmt werden kann.
Ist die Ursache gefunden und es wird eine Therapie eingeleitet oder auf leberschädigende Substanzen wie Alkohol verzichtet, kann der GPT-Blutwert trotzdem noch eine Weile erhöht sein, da GPT nur langsam abgebaut wird.
Weitere wichtige Leberwerte
Andere Leberwerte, die zur Analyse herangezogen werden, sind der GOT-Wert und der GGT-Wert. GOT steht für Glutamat-Oxalacetat-Transaminase. Eine alternative Bezeichnung ist Aspartat-Aminotransferase (AST). GGT ist die Abkürzung für Gamma-Glutamyl-Transferase, auch Gamma-GT genannt. Sind alle drei Leberwerte erhöht, liegt vermutlich eine Lebererkrankung vor.
GPT bei Hämophilie
Bei Menschen mit Hämophilie, die in den 70er- und 80er-Jahren mit Faktorpräparaten aus menschlichem Blut- bzw. Plasmaspenden behandelt wurden, besteht das Risiko, dass sie sich damals mit Hepatitis C oder HIV angesteckt haben. Bei diesen Personen sollte eine regelmässige Kontrolle des GPT-Wertes erfolgen, um festzustellen, ob dieser erhöht ist.
Quelle: acrive-a
Hämophilie A
Hämophilie A ist eine angeborene, meist vererbte Blutgerinnungsstörung, die durch einen Mangel oder eine Funktionsstörung des Blutgerinnungsfaktors VIII verursacht wird. Faktor VIII ist notwendig, damit die Blutgerinnung richtig ablaufen und Blutungen zuverlässig gestoppt werden können.
Menschen mit Hämophilie A haben daher eine erhöhte Blutungsneigung. Blutungen können nach Verletzungen länger andauern, aber auch spontan, zum Beispiel in Gelenken oder Muskeln, auftreten. Die Erkrankung wird X-chromosomal vererbt, weshalb überwiegend Männer betroffen sind, während Frauen meist Überträgerinnen sind. Der Schweregrad der Hämophilie A hängt von der Faktor-VIII-Aktivität im Blut ab.
Hämophilie B
Wie die Hämophilie A ist auch die Hämophilie B eine Blutgerinnungsstörung mit erhöhter Blutungsneigung. Die Symptome sind ähnlich und auch hier sind Männer häufiger betroffen als Frauen – sie ist jedoch die seltenere Form der Hämophilie.
Ursachen der Hämophilie B
Menschen mit Hämophilie B haben keinen oder nur reduzierte Mengen des Gerinnungsfaktors IX (FIX), auch Christmas-Faktor (nach dem Patienten Stephen Christmas) genannt. Auch bei der Hämophilie B wird anhand der Restaktivität des FIX zwischen drei Schweregraden unterschieden: milde, mittelschwere und schwere Hämophilie B. Die Behandlung kann – analog zur Hämophilie A – durch intravenöse Substitution des FIX erfolgen.
Quelle: https://roche-fokus-mensch.ch/hp/haemophilie/begreifen/
Hämophilie-Gen
Das Hämophilie-Gen ist ein mutiertes Gen auf dem X-Chromosom, das den Bauplan für einen wichtigen Blutgerinnungsfaktor enthält. Je nach Form der Hämophilie ist entweder das F8-Gen (Hämophilie A, Faktor VIII)oder das F9-Gen (Hämophilie B, Faktor IX)betroffen. Durch die Mutation wird der entsprechende Gerinnungsfaktor nicht ausreichend oder nicht funktionsfähig gebildet, was zu einer erhöhten Blutungsneigung führt.
Hämostase
Der Begriff Hämostase kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Blutstillung“ (haíma = Blut und stasis = Stillung). Die Hämostase umfasst alle Prozesse, die zum Stillstand einer Blutung beitragen und ist somit lebenswichtig.
Phasen und Schritte der Hämostase
Die Hämostase besteht aus zwei Phasen (primär und sekundär), die sich aus mehreren Schritten zusammensetzen. Zur primären Hämostase gehören das Zusammenziehen der Blutgefässe, die Anlagerung und die Aktivierung von Blutplättchen (Thrombozyten) an der Gefässverletzung. Die sekundäre Hämostase umfasst die eigentliche Blutgerinnung, die zu einem stabilen Wundverschluss führt.
Primäre Hämostase
Kommt es zu einer Blutung, ist der erste Schritt der Blutstillung, dass sich die Blutgefässe zusammenziehen (Vasokonstriktion). Dadurch wird zunächst der Blutverlust verringert und die Fliessgeschwindigkeit des Blutes verlangsamt.
Weil das Blut nun langsamer fliesst, können sich die Blutplättchen an die Gefässverletzung anlagern und aggregieren und somit einen ersten, losen Wundverschluss bilden. Dabei spielt auch der Von-Willebrand-Faktor eine wichtige Rolle, der als Bindeglied zwischen den Thrombozyten und dem Kollagen in der Gefässwand fungiert. Es lagern sich immer mehr Thrombozyten an die Wunde an, die zusammen mit Fibrinogen einen sogenannten weissen Thrombus bilden. Die Bezeichnung kommt von den eher farblosen Thrombozyten. Zusätzlich kommt es noch zur Aktivierung von bestimmten Gerinnungsfaktoren.
Sekundäre Hämostase
Die sekundäre Hämostase ist die eigentliche Blutgerinnung. Hier führen die verschiedenen Gerinnungsfaktoren der Gerinnungskaskade dazu, dass das Blut gerinnt und die Blutung dauerhaft gestoppt wird. An ihrem Ende – nach ca. sechs bis zehn Minuten – bildet sich ein fester Wundverschluss, der sogenannte rote Thrombus. Er besteht aus einem festen Netz aus Fibrin, in dem Thrombozyten und rote Blutkörperchen eingelagert sind. Von den roten Blutkörperchen kommt auch der Name.
Die Blutgerinnung lässt sich in den intrinsischen Weg und den extrinsischen Weg unterteilen. Bei beiden Wegen spielen die Gerinnungsfaktoren eine wichtige Rolle. Diese Faktoren aktivieren sich in einer bestimmten Reihenfolge gegenseitig und führen so zur Gerinnung des Blutes.
Das intrinsische System und das extrinsische System laufen bei der Bildung von Faktor X zusammen. Über diesen Faktor wird Prothrombin (Faktor II) zu Thrombin (Faktor IIa) aktiviert, was wiederum zur Aktivierung des Fibrinogens (Faktor I) zu Fibrin (Faktor Ia) führt. Fibrin bildet dann zusammen mit den Thrombozyten und den Erythrozyten den stabilen Wundverschluss. Die Gerinnung ist vollständig abgelaufen.
Hämostase bei Hämophilie
Die primäre Hämostase läuft auch bei Menschen mit Hämophilie A in der Regel vollständig ab. Erst bei der sekundären Hämostase, wenn die Gerinnungsfaktoren eine wichtige Rolle spielen, ist die Blutgerinnung gestört. Bei Menschen mit Hämophilie A fehlt der Faktor VIII und bei Menschen mit Hämophilie B der Faktor IX. Aufgrund des fehlenden Gerinnungsfaktors kann der nächste Faktor nicht aktiviert werden, was zur Unterbrechung der Gerinnung führt.
Bei Menschen mit dem Von-Willebrand-Syndrom fehlt der Von-Willebrand-Faktor oder ist nicht voll funktionstüchtig. Dieser gehört jedoch streng genommen nicht zu den Gerinnungsfaktoren.
Ungewollte Blutgerinnung: Thrombose
Bildet sich in einem Blutgefäss ein Blutgerinnsel, ohne dass es eine Verletzung gab, sprechen Expertinnen und Experten von einer Thrombose. Diese Blutgerinnsel stören den Blutfluss und können je nachdem, wo sie im Körper auftreten, lebensgefährlich werden. Behandelt werden können Thrombosen mit gerinnungshemmenden Medikamenten. Dazu gehört auch der Abbau von Fibrin (Fibrinolyse), um Gerinnsel aufzulösen.
Quelle: https://roche-fokus-mensch.ch/hp/haemophilie/begreifen/
https://www.active-a.de/haemostase-bei-haemophilie-a-4-fakten-zur-blutgerinnung/
Hämoglobin
Hämoglobin ist ein Eiweiß in den roten Blutkörperchen. Es bindet Sauerstoff in der Lunge und transportiert ihn zu den Organen und Geweben. Ein zu niedriger Hämoglobinwert kann auf eine Anämie (Blutarmut) hinweisen, die bei Hämophilie zum Beispiel durch wiederholte Blutverluste entstehen kann.
Halbwertszeit
Die Halbwertszeit beschreibt die Zeit, nach der die Menge eines Wirkstoffs im Körper auf die Hälfte abgesunken ist. In der Hämophilie-Therapie gibt sie an, wie lange ein Gerinnungsfaktor oder Medikament wirksam bleibt. Sie ist wichtig für die Planung der Dosierung und der Abstände zwischen den Behandlungen.
Hemmkörper
Ein Hemmkörper ist ein Antikörper, den der Körper bildet und der die Wirkung eines Blutgerinnungsfaktors hemmt oder blockiert. In der Fachsprache nennt man Hemmkörper Inhibitoren.
Heterozygot
Heterozygot bezeichnet einen genetischen Zustand, bei dem man eine normale und eine veränderte Variante eines Gens besitzt. Bei erblich bedingten Erkrankungen wie der Hämophilie kann dies bedeuten, dass eine Person Überträger der Erkrankung ist, ohne selbst ausgeprägte Symptome zu haben.
i. v. (intravenös)
Die Abkürzung „i. v.“ steht für „intravenös“, was so viel wie „in eine Vene hinein“ bedeutet. Venen sind die Blutgefässe, die das Blut zum Herzen führen.
Intravenöse Medikamentengabe
Viele Medikamente werden über eine Infusion intravenös verabreicht – darunter auch die Mehrheit der Hämophilie-Medikamente. Die Injektion erfolgt in mittelgrossen oder grosse Venen und stets in Fließrichtung des Blutes, um Verletzungen zu vermeiden.
Quelle: pharmawiki.ch
Immunglobuline
Immunglobuline sind der medizinische Fachbegriff für Antikörper. Es handelt sich um Eiweiße des Immunsystems, die fremde Stoffe erkennen und binden. In der Hämophilie spielen Immunglobuline eine Rolle, wenn sie sich als Inhibitoren gegen Gerinnungsfaktoren richten.
Inhibitor
Als Inhibitor bezeichnet man einen Antikörper, den der Körper bildet und der die Wirkung eines Blutgerinnungsfaktors hemmt oder blockiert. Bei Menschen mit Hämophilie richtet sich ein Inhibitor meist gegen den zugeführten Gerinnungsfaktor (z. B. Faktor VIII oder Faktor IX), sodass dieser nicht mehr richtig wirken kann.
Inhibitoren können die Behandlung erschweren und erfordern spezielle Therapien, wie zum Beispiel Bypass-Therapien oder alternative Medikamente.
Inhibitorbildung
Inhibitorbildung bezeichnet den Prozess, bei dem der Körper beginnt, Antikörper gegen verabreichte Gerinnungsfaktoren zu bilden.
Inhibitorform
Die Inhibitorform beschreibt eine Ausprägung der Hämophilie, bei der Inhibitoren vorhanden sind und die Behandlung erschweren.
J
K
L
Konduktorin
Eine Konduktorin bzw. ein Konduktor ist eine Frau, die eine Erbkrankheit übertragen kann, die aber selbst nicht erkrankt ist. Ein anderes Wort dafür ist Anlageträgerin bzw. Anlageträger.
Konduktorinnen in der Hämophilie A
In der Hämophilie A gibt es nur Konduktorinnen, da das defekte Gen auf dem X-Chromosom liegt, das ein Geschlechtschromosom ist. Frauen haben zwei X-Chromosomen – ist auf einem die Information für den Faktor VIII defekt, kann das andere X-Chromosom den Fehler ausgleichen. Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom. Das Y-Chromosom kann den Fehler auf dem X-Chromosom nicht ausgleichen – deswegen sind hauptsächlich Männer von Hämophilie A betroffen. Theoretisch ist es aber auch möglich, dass Frauen erkranken. Das passiert dann, wenn ein Mädchen von beiden Eltern ein X-Chromosom mit der fehlerhaften Information für Faktor VIII bekommt – wenn also der Vater an Hämophilie A erkrankt ist und die Mutter Konduktorin ist.
Quelle: https://shg.ch/de/blutgerinnungsstoerungen/frauen-mit-blutgerinnungsstoerungen
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Kontraindiziert
Kontraindiziert bedeutet, dass eine bestimmte Behandlung, Untersuchung oder ein Medikament nicht angewendet werden darf, weil es für die betroffene Person schädlich oder gefährlich sein kann.
M
N
O
MCV-Wert
MCV steht für das mittlere Volumen eines einzelnen roten Blutkörperchens (Erythrozyt; MCV = engl. mean corpuscular volume oder mean cell volume) und gibt somit die durchschnittliche Grösse der roten Blutkörperchen.
Blutuntersuchung
Es gibt das kleine und das grosse Blutbild. Beim kleinen Blutbild wird die Anzahl der roten Blutkörperchen, der weissen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie der Blutplättchen (Thrombozyten) bestimmt. Beim grossen Blutbild werden noch ein paar Werte mehr analysiert, wie beispielsweise MCV, MCH, MCHC und der Hämatokrit-Wert (Verhältnis von Zellen im Blut zum Blutplasma). Diese Untersuchungen geben Aufschluss darüber, ob und welche Blutkörperchen zu wenig vorhanden sind und ob die Erythrozyten genügend Sauerstoff transportieren können. Sie helfen auch, die Ursache einer Blutarmut (Anämie) herauszufinden.
Bedeutung des MCV-Wertes
Weicht der gemessene MCV-Wert von den normalen Werten ab, liegt wahrscheinlich eine Anämie vor. Ein zu niedriger MCV-Wert deutet auf eine Blutarmut hin, die durch einen Kupfer-, Eisen- oder einen Vitamin B6-Mangel ausgelöst sein kann. Ebenso kann es ein Hinweis auf eine Blutung sein. Ein erhöhter MCV-Wert hingegen deutet auf eine Anämie hin, ausgelöst durch einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure. Auch eine Leberzirrhose oder Alkoholismus können die hohen Werte erklären.
Weitere Blutwerte
Andere Werte, die untersucht werden, sind der MCH und MCHC. Der MCH-Wert (MCH = engl. mean corpuscular hemoglobin) gibt die mittlere Hämoglobinkonzentration in den roten Blutkörperchen an. Sowohl ein zu hoher als auch ein zu niedriger MCH-Wert deuten auf eine Anämie hin. Bei einem geringen Wert kann die Ursache ein Kupfer- oder Vitamin B6-Mangel sein. Ein zu hohes MCH kann durch einen Folsäure- oder Vitamin B12-Mangel sowie durch einen Abbau an roten Blutkörperchen (Hämolyse) verursacht werden.
Der MCHC-Wert (MCHC = engl. mean corpuscular hemoglobin concentration) gibt hingegen die Konzentration des Blutfarbstoffs Hämoglobin in allen Erythrozyten an. Auch hier deuten abweichende Werte auf eine Anämie hin. Ein zu geringer Wert kann durch Eisen- oder Pyridoxinmangel ausgelöst werden. Die Ursache für einen erhöhten Wert können verschiedene Erkrankungen der Erythrozyten sein.
Quelle:
https://www.netdoktor.ch/laborwerte/mch-mchc-mcv-und-rdw/
Mutation
Eine Mutation ist eine dauerhafte Veränderung im Erbgut (der DNA). Sie betrifft den genetischen Bauplan eines Gens und kann dazu führen, dass ein bestimmtes Eiweiß (zum Beispiel ein Blutgerinnungsfaktor) nicht richtig oder gar nicht gebildet wird. Bei Hämophilie ist eine Mutation die Ursache der Erkrankung.
Muskelblutung
Normalerweise entstehen Muskelblutungen durch Stösse, Zerrungen oder andere Verletzungen. Bei Menschen mit schwerer Hämophilie können sie auch spontan und ohne erkennbaren Grund auftreten. Dabei schwillt die Stelle an, wird warm und die Haut färbt sich eventuell blau. Zusätzlich kann es zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einem taubheits- oder kribbelndem Gefühl kommen.
Folgen einer Muskelblutung
Bei einer Muskelblutung sammelt sich Blut im Muskel und drückt auf das umliegende Gewebe sowie die Nerven. Das kann sehr schmerzhaft sein und sollte zeitnah behandelt werden, um Folgeschäden wie Muskelschrumpfungen und daraus folgende Gelenkfehlstellungen zu vermeiden.
Nicht-Faktor-basierte Therapie
Nicht-Faktor-basierte Therapien haben einen anderen Ansatz als Faktor-basierte Therapien. Bei ihnen wird kein plasmatisch oder gentechnologisch hergestellter Ersatzfaktor VIII oder IX verabreicht. Das Problem des fehlenden Faktor VIII oder IXwird auf andere Weise umgangen.
Anwendung von Nicht-Faktor-basierten Therapien
Ein Vorteil der Nicht-Faktor-basierten Therapien ist, dass der Körper keine Hemmkörper gegen den zugeführten Faktor VIII entwickeln kann und so diese Therapie auch für Betroffene mit einer Hemmkörper-Hämophilie infrage kommt. Die Therapien werden prophylaktisch verabreicht.
Quelle: https://roche-fokus-mensch.ch/hp/haemophilie/behandeln/
P
Q
R
Persistenz
Der Begriff „Persistenz“ beschreibt, wie lange eine Therapie konsequent angewendet wird. Dabei ist es unerheblich, ob die Therapie gemeinsam von Patientin oder Patient und Behandlungsteam vereinbart wurde oder ob eine Ärztin bzw. ein Arzt sie ohne die Beteiligung der betroffenen Person an der Therapieentscheidung verordnet hat.
Wichtig für den Therapieerfolg
Eine gute Adhärenz und anhaltende Persistenz ermöglichen die besten Therapieerfolge. Nur wenn eine Therapie konsequent und dauerhaft angewendet wird, können die erwarteten Ziele erreicht werden.
Quelle: active-a
Plasma
Plasma ist der flüssige Bestandteil des Blutes. Wenn man Blut von festen Bestandteilen trennt (z. B. rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen), bleibt das Plasma übrig. Es enthält unter anderem Eiweiße, Hormone und Blutgerinnungsfaktoren, die für die Blutstillung wichtig sind.
Plasmabasiert
Plasmabasiert bezeichnet Medikamente, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen werden. Bei Hämophilie werden plasmabasierte Präparate verwendet, um fehlende Gerinnungsfaktoren zu ersetzen. Diese werden aus dem Plasma von gesunden Spender:innen gewonnen. Die Herstellung erfolgt unter strengen Sicherheitskontrollen.
Pränatal
Pränatal bedeutet „vor der Geburt“. Der Begriff wird für Untersuchungen oder Eingriffe während der Schwangerschaft verwendet.
Prophylaxe
Als Prophylaxe oder prophylaktische Therapien werden Behandlungen bezeichnet, die regelmässig verabreicht werden und bestimmte Ereignisse – im Fall von Hämophilie Blutungen – verhindern sollen. Das Gegenteil davon ist die Bedarfsbehandlung.
Prophylaktische Therapie bei Hämophilie A
Viele Hämophilie-Medikamente können als Prophylaxe eingesetzt und dabei in verschiedenen Zeitintervallen verabreicht werden. Besonders Betroffene mit moderater und schwerer Hämophilie erhalten häufig eine prophylaktische Therapie, um Spontanblutungen vorzubeugen. Eine prophylaktische Behandlung schließt eine Bedarfsbehandlung nicht aus und ist sogar im Falle von Blutungen indiziert.
Prothrombinase-Komplex
Der Prothrombinase-Komplex ist ein Zusammenschluss mehrerer Gerinnungsfaktoren, darunter Faktor Xa, der eine zentrale Rolle in der Blutgerinnung spielt. Er wandelt Prothrombin in Thrombin um. Thrombin ist notwendig für die Bildung von Fibrin und damit für ein stabiles Blutgerinnsel.
Radiosynoviorthese
Die Radiosynoviorthese ist eine Behandlungsmethode, die bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie der chronischen Synovitis eingesetzt wird, um die Schmerzbelastung dauerhaft zu verringern.
Funktionsprinzip
Bei der Radiosynoviorthese (kurz RSO) wird eine Flüssigkeit in das betroffene Gelenk gespritzt, in der sich schwach radioaktive Stoffe befinden. Deren Strahlung wirkt nur auf aller kürzester Distanz – dann allerdings so stark, dass Zellen in der Nähe geschädigt werden und absterben. Dieser Effekt ist erwünscht, denn dadurch verschorft und vernarbt die Gelenkinnenhaut, Schwellung, Entzündung und Schmerzen lassen nach. Die Wirkung dieser Behandlung tritt erst nach einigen Monaten ein, führt dann aber zu weniger Schmerzen und Blutungen.
Die Radiosynoviorthese sollte tendenziell früh vorgenommen werden, da die Gelenkinnenhaut noch weitgehend intakt sein muss. Bei einer anderen infrage kommenden Massnahme – der Synovektomie – wird ebenfalls entzündetes Gewebe entfernt, hier allerdings mit Hilfe spezieller Instrumente.
Quellen: https://flexikon.doccheck.com/de/Radiosynoviorthese
Rezessiv
Der Begriff „rezessiv“ beschreibt eine Form der Vererbung, bei der sich eine genetische Veränderung nur dann auswirkt, wenn keine gesunde Genkopie vorhanden ist. Hämophilie wird X-chromosomal rezessiv vererbt, weshalb überwiegend Männer erkranken, während Frauen meist Überträgerinnen sind.
RDW-Wert
RDW steht für die Volumenverteilung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) (RDW = engl. red cell distribution width). Ein Synonym dafür ist die Erythrozytenverteilungsbreite (EVB). Normalerweise ändern sich Volumen und Verteilung der roten Blutkörperchen nicht. Ist der RDW-Wert auffällig, liegt vermutlich eine Erkrankung vor.
Bedeutung RDW-Wert bei Hämophilie A
Bei einer Blutuntersuchung können der RDW-Wert und weitere Werte genauer analysiert werden. Sie geben Aufschluss darüber, ob und welche Blutkörperchen zu wenig vorhanden sind und ob genügend Sauerstoff transportiert wird. Durch sie kann auch die Ursache einer Blutarmut (Anämie) herausgefunden werden. Ein niedriger RDW-Wert deutet auf eine Anämie hin, ausgelöst beispielsweise durch eine Blutung.
Quellen: https://www.netdoktor.ch/laborwerte/mch-mchc-mcv-und-rdw/
Retikulozyt
Ein Retikulozyt ist die Vorstufe eines roten Blutkörperchens (Erythrozyt) – also ein junger, unreifer Erythrozyt.
Im Blut gibt es verschiedene Zelltypen. Eine Art sind die roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Es müssen regelmässig neue Blutzellen gebildet werden, um alte oder verlorene Zellen, beispielsweise durch eine Blutung, zu ersetzen. Die Blutbildung findet im Knochenmark statt.
Auch Retikulozyten entstehen im Knochenmark. Dort entwickeln sie sich innerhalb von vier Tagen zu einem reifen roten Blutkörperchen. Retikulozyten sind etwas grösser als Erythrozyten, aber besitzen ebenso wenig einen Zellkern wie die roten Blutkörperchen. Nach weiteren drei Tagen verlassen sie das Knochenmark und wandern ins Blut.
Retikulozytenzahl
Die Retikulozytenzahl ist ein Hinweis auf die Aktivität im Knochenmark und somit auf die Produktion von Erythrozyten. Die Anzahl von Retikulozyten im Blut kann erhöht, niedrig oder normal sein.
Bei einem erniedrigten Wert ist die Neubildung von Erythrozyten (Erythropoese) reduziert. Dies kann bei verschiedenen Anämien (Blutarmut) auftreten oder durch einen Eisenmangel sowie bestimmte Therapien, wie einer Chemo- oder Strahlentherapie, ausgelöst werden. Ein Mangel an Retikulozyten heisst auch Retikulozytopenie.
Sind zu viele Retikulozyten im Blut vorhanden, sprechen Expertinnen und Experten von einer Retikulozytose. Die Retikulozytenzahl deutet auf eine vermehrte Neubildung von Retikulozyten hin. Diese erhöhten Werte treten meist nach einem starken Blutverlust, bedingt durch eine Blutung oder eine Auflösung der roten Blutkörperchen (Hämolyse) auf. Sie können aber auch durch Erkrankungen oder einen Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure verursacht werden.
Quelle: https://www.insel.ch/hemosurf/Data/Data_D/Info/RV.htm
S
T
U
s. c. (subkutan)
Die Abkürzung „s. c.“ steht für „subkutan“ und bedeutet so viel wie „unter die Haut“.Subkutane Medikamentengabe Medikamente, die subkutan verabreicht werden, werden mit einer Spritze oder einem Pen ins Unterhautfettgewebe verabreicht.
Quelle: https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Subkutane_Injektion
Shared Decision Making (SDM)
erhöht Adhärenz. Wenn von „Adhärenz“ gesprochen wird, nehmen Betroffene dabei eine aktive Rolle ein: Sie beteiligen sich an der Therapieentscheidung (SDM) und setzen dann die gemeinsam getroffenen Entscheidungen um. Da sie an der Entscheidung beteiligt waren, übernehmen sie Verantwortung für ihre Therapie und sind gewillter, sich an die getroffenen Vereinbarungen zu halten.
Quelle: https://www.fmh.ch/files/pdf16/Grundlagenpapier_SDM.pdf
Shared Decision Making ist ein Modell der Entscheidungsfindung im klinischen Kontext, gemäss welchem Arzt und Patient aktiv Informationen austauschen, verschiedene Behandlungsoptionen abwägen und partnerschaftlich eine Entscheidung fällen. Entscheidend für das Gelingen vom Shared Decision Making ist, dass der Arzt w[1] ährend der ganzen Konsultation eine Atmosphäre schafft, in welcher sich Patienten fr[2] ei äussern können.
Quelle: https://www.fmh.ch/files/pdf16/Grundlagenpapier_SDM.pdf
Spontanblutung
Eine Spontanblutung ist eine Blutung, die ohne erkennbare äußere Verletzung auftritt. Sie entsteht durch eine gestörte Blutgerinnung und kann zum Beispiel in Gelenken, Muskeln oder inneren Organen vorkommen.
Bei Menschen mit schwerer Hämophilie können Spontanblutungen besonders häufig auftreten und erfordern eine rasche medizinische Behandlung.
Symptome
Symptome sind Anzeichen oder Beschwerden, die von Patienten wahrgenommen werden und auf eine Krankheit hinweisen.
Bei Hämophilie äußern sich Symptome häufig durch verlängerte Blutungen, Gelenk- oder Muskelblutungen sowie eine erhöhte Blutungsneigung.
Substitutionstherapie
Die Substitutionstherapie ist eine Behandlungsform, bei der dem Körper fehlende oder nicht ausreichend vorhandene Stoffe ersetzt werden.
Bei Hämophilie bedeutet dies, dass fehlende Blutgerinnungsfaktoren (z. B. Faktor VIII bei Hämophilie A oder Faktor IX bei Hämophilie B)regelmäßig zugeführt werden, um Blutungen zu behandeln oder ihnen vorzubeugen.
Somatische Gentherapie
Bei der somatischen Gentherapie wird das Erbgut von (bestimmten) Körperzellen verändert. Die Therapie beschränkt sich somit auf die behandelte Person.
Die andere Möglichkeit der Gentherapie ist die Keimbahntherapie. Dabei wird das Erbgut in der Keimbahn (Eizellen, Spermien oder Vorstufen davon) verändert und so das Erbgut von möglichen Nachkommen verändert.
Therapieoption bei Hämophilie A
Auch für Hämophile bietet die Gentherapie eine Therapieoption. Für Betroffene ist eine somatische Gentherapie die einzige Chance auf eine mögliche Heilung. Derzeit laufen hierzu zahlreiche Studien.
Synovektomie
Ähnlich wie die Radiosynoviorthese zielt die Synovektomie darauf ab, entzündetes Gewebe der Gelenkinnenhaut (Synovialis) mechanisch zu entfernen und dadurch die Schmerzbelastung zu verringern.
Funktionsprinzip
Nach der Entfernung des entzündeten Gewebes regeneriert sich die Synovialis und sorgt für eine bessere Schmierung des Gelenkes. In der Folge nimmt die Schwellung ab und es gibt weniger Schmerzen.
Meist geht der Synovektomie eine Radiosynoviorthese voraus. Die Synovektomie kann häufig arthroskopisch – also durch einen kleinen Schnitt hindurch – erfolgen, aber auch offene Synovektomien werden unter Umständen durchgeführt. In manchen Fällen kann auch die komplette Entfernung der Synovialis von Vorteil sein.
Synovitis
Als Synovitis bezeichnen Medizinerinnen und Mediziner eine Entzündung der Gelenkschleimhaut. Durch wiederholt auftretende Gelenkblutungen kann es zu Entzündungsreaktionen im Gelenk kommen, die zu Schäden und wiederum zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen können.
Symptome der Synovitis
Mögliche Symptome einer Synovitis sind Erwärmung, Schwellungen, Schmerzen, Missempfindungen oder Bewegungseinschränkungen. Da sie denen einer Blutung sehr ähneln, ist es nicht immer einfach, eine Synovitis zu erkennen. Sie sollte jedoch immer schnell behandelt werden.
Therapie
Eine Therapie bezeichnet alle medizinischen Maßnahmen zur Behandlung oder Vorbeugung einer Krankheit. Bei Hämophilie umfasst die Therapie unter anderem die Gabe von Faktorpräparaten, nicht-faktorbasierte Behandlungen, Prophylaxe sowie spezielle Therapien bei Inhibitoren.
Thrombus
Ein Thrombus ist ein Blutgerinnsel, das sich innerhalb eines Blutgefäßes bildet. Er kann den Blutfluss teilweise oder vollständig behindern. Thromben spielen bei Hämophilie normalerweise keine Rolle, sind aber ein wichtiges Gegenbeispiel.
Thrombozytopenie
Im Blut kommen verschiedene Zelltypen vor: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weissen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Alle werden im Knochenmark gebildet und wandern ins Blut, wo sie verschiedene Aufgaben erfüllen. Die Erythrozyten transportieren Sauerstoff, die Leukozyten sind Teil des Immunsystems und die Thrombozyten sind für die Blutgerinnung zuständig.
Was ist eine Thrombozytopenie?
Liegt ein Mangel an Blutplättchen vor, sprechen Expertinnen und Experten von einer Thrombozytopenie oder auch Thrombopenie. Es setzt sich aus den Fachbegriffen für Blutplättchen (Thrombozyten) und für Mangel (altgriechisch: penía) zusammen. Normalerweise haben Menschen eine Thrombozytenzahl von 150.000 bis 400.000 Blutplättchen pro Mikroliter Blut. Durch verschiedene Ursachen und Erkrankungen kann jedoch eine niedrige Thrombozytenzahl vorliegen.
Entstehung einer Thrombozytopenie
Die Ursache für eine Thrombozytopenie kann unterschiedlich sein: eine gestörte Bildung der Thrombozyten, eine zu kurze Lebensdauer, ein hoher Verbrauch oder eine Schädigung der Thrombozyten sowie eine Blutung und der dadurch hervorgerufene hohe Verlust an Blutplättchen. Auch einige Erkrankungen wie Leukämien oder Autoimmunerkrankungen können zu einem Mangel an Thrombozyten beitragen.
Symptome einer Thrombozytopenie
Durch den Mangel an Thrombozyten können bestimmte Symptome auftreten. Bei einer leichten Thrombozytopenie gehören dazu blaue Flecken (Hämatome) und Blutungen der Schleimhäute wie Nasen oder Zahnfleischbluten. Bei einer schweren Thrombozytopenie, wenn die Thrombozytenzahl auf 15.000 bis 30.000 pro Mikroliter Blut gesunken ist, können spontane Blutungen vorkommen, wie Petechien (punktförmige Blutungen), Hämatome, Schleimhautblutungen oder sogar Hirnblutungen.
Folgen einer Thrombozytopenie
Die Blutgerinnung ist bei einer Thrombozytopenie – ähnlich wie bei der Hämophilie – gestört und es kann vermehrt zu blauen Flecken, Nasen- und Zahnfleischbluten kommen. Der Unterschied ist jedoch, dass bei der Thrombozytopenie im Gegensatz zur Hämophilie alle Gerinnungsfaktoren vorhanden sind. Stattdessen fehlen die Thrombozyten, um die Wunde stabil zu schliessen und die Blutung zu stoppen.
Besondere Formen des Blutplättchenmangels
Es gibt weitere Formen von Thrombozytopenien. Eine Form ist die Immunthrombozytopenie, auch thrombozytopenische Purpura genannt. Das ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen die Blutplättchen gebildet werden. Mögliche Symptome der Immunthrombozytopenie sind Petechien und Hämatome.
Die Ursache für Heparin-induzierte Thrombozytopenie ist eine Behandlung mit Heparin. Es kommt gleichzeitig zu einem Mangel an Thrombozyten und das Risiko für die Bildung einer Thrombose steigt an. Abhängig von der Art der Heparin-induzierten Thrombozytopenie kann der Verlauf harmlos sein (Typ I) oder es kommt zur Bildung von Antikörpern gegen die Thrombozyten und der Verlauf kann lebensgefährlich werden (Typ II).
Quelle: https://www.amboss.com/de
V
W
X
Von-Willebrand-Faktor
Der Von-Willebrand-Faktor (VWF) ist ein Protein (Eiweiss) im Blut. Er hat verschiedene Aufgaben, zu denen unter anderem der Transport und Schutz von Gerinnungsfaktor VIII gehören.
Folgen von Von-Willebrand-Faktor-Mangel
Fehlt der VWF oder ist er zu wenig vorhanden oder nicht voll funktionsfähig, haben die betroffenen Personen das Von-Willebrand-Syndrom und leiden an einer Blutgerinnungsstörung. Zwar wird der VWF oft als Gerinnungsfaktor bezeichnet, streng genommen gehört er aber nicht dazu, da er nicht direkt an der Gerinnungskaskade beteiligt ist.
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Von-Willebrand-Syndrom
Das Von-Willebrand-Syndrom (VWS) wurde erstmals 1926 von Erik Adolf von Willebrand beschrieben. Es ist die weltweit häufigste angeborene Blutgerinnungsstörung und betrifft ca. ein Prozent der Bevölkerung, wobei Männer und Frauen gleich oft betroffen sind. Beim VWS ist die primäre Blutstillung (erster, vorläufiger Wundverschluss) betroffen. Das häufigste Symptom sind langanhaltende Schleimhautblutungen wie Nasen- oder Zahnfleischbluten.
Verschiedene Formen des Von-Willebrand-Syndrom
Das vWs [1] wird in drei verschiedene Typen unterteilt: Typ 1, 2 und 3. Bei Typ 1 ist weniger Von-Willebrand-Faktor (VWF) vorhanden (quantitativer Defekt). Er macht ca. 60 bis 80 Prozent der VWS-Fälle aus und Betroffene können ein fast normales Leben führen. Typ 2 lässt sich in weitere Unterformen unterteilen und zeichnet sich durch eine gestörte Funktionsweise des vWF aus (qualitativer Defekt). Etwa 15 bis 20 Prozent der Betroffenen zählen zu Typ 2. Die seltenste und schwerste Form ist Typ 3 – hier fehlt der VWF völlig.
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XY-Chromosom
Menschen haben insgesamt 46 Chromosomen: 44 Autosomen und 2 Gonosomen. Die Gonosomen sind die Geschlechtschromosomen, auch bekannt als X- und Y-Chromosom. Frauen haben zwei X-Chromosomen und Männer ein X- und ein Y-Chromosom.
Die Rolle von Chromosomen bei Hämophilie A
In diesem Unterschied liegt auch der Grund, warum hauptsächlich Männer an Hämophilie A erkranken. Die Information für den Faktor VIII liegt auf dem X-Chromosom. Ist diese Information auf einem X-Chromosom defekt, haben Frauen ein zweites, welches die intakte Information liefern kann. Das Y-Chromosom bei Männern kann diesen Defekt nicht ausgleichen – es kommt zur Hämophilie A durch den fehlenden/nicht ausreichenden Faktor VIII.
Y
Z
Zielgelenk
Zielgelenke sind Gelenke, in denen besonders häufig Blutungen auftreten – laut Definition mindestens drei Blutungen in sechs Monaten. Am häufigsten sind Ellenbogen-, Knie- und Sprunggelenke betroffen. Menschen mit Hämophilie können auch mehrere Zielgelenke gleichzeitig entwickeln.
Entstehung von Zielgelenken
Treten in einem Gelenk regelmässig Blutungen auf, steigt das Risiko für weitere Blutungen. So kann leicht ein Teufelskreis entstehen, der zu dauerhaften Gelenkschäden, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann. Um dem vorzubeugen, sollten Gelenkblutungen immer sofort behandelt werden.
Quelle: active-a
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